Ausflug nach China

Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » Mi 18. Sep 2019, 10:21

Endspurt

Die Strecke nach Lhasa machte nochmal richtig Spass.
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Highway-feeling wechselte sich mit schönen Kurvenkombinationen ab.
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Um den Adrenalinspiegel hoch zu halten lauern oft Yaks unmittelbar hinter Kurven.
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Damit mit es nicht langweilig wird, gibt es immer wieder nicht asphaltierte Streckenabschnitte.
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Endlich fahren wir direkt auf den Potala zu.
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Leider schaffte es ein Teilnehmer nicht ganz bis nach Lhasa.
Ungefähr 30 Kilometer vor Lhasa krachte er in eine Leitplanke und wurde auf die Fahrbahn zurückgeschleudert.
Ergebnis: Vier gebrochene Rippen und schwere Prellungen.
Er hatte die Verlängerungswoche gebucht.
Für ihn ist die Reise in Lhasa zu Ende.
Nach seinen Angaben hatte er die letzten Tage, seit wir im Hochland unterwegs waren, immer wieder Kreislaufprobleme.
Er vermutet, dass er kurz eingenickt ist oder sein Kreislauf ein kleine Schwäche hatte, sodass er einen kurzen Moment unaufmerksam war.
Schnell passiert, auch ohne Fremdeinwirkung.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » Mi 18. Sep 2019, 10:35

Lhasa

"Sie haben ihr Ziel erreicht"!
Diese Ansage üblicher Navis kam mir in den Sinn als ich vor dem Potala stand.

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Seit Jahrzehnten wollte ich den Potala Palast, den Sitz des Dalai Lama, sehen.

Der Potala Palast war für mich ein sehr wichtiger Grund die Reise zu machen.
Somit war für mich die "Pflicht" erledigt, die "Kür" der Verlängerungswoche konnte kommen.

Der Dalai Lama ist zwar im Exil, aber der Palast kann besichtigt werden.
Es ist ein sehr beeindruckendes Gebäude, allein schon wegen der Größe.

Der Besucheransturm ist ähnlich wie in Neuschwanstein.
Man muss ca. 1 Woche bevor man anreist Eintrittskarten reservieren.
Man bekommt eine Uhrzeit zugeteilt, wann man den Palast betreten darf.
Die Besichtigungszeit ist auf 2 Stunden begrenzt.
Überschreitet man diesen Zeitraum muss man Strafe bezahlen.
Bei dem Besucheransturm ist diese Vorgehensweise durchaus sinnvoll.

PBWC5413-2.jpg

IMG_8990-2.JPG

MRVC4592-2.jpg

XKRC4164-2.jpg


Wir hatten ein Hotel in unmittelbarer Nähe zur Altstadt.
Es war sehr praktisch immer wenn man wollte kurz Richtung und durch die Altstadt zu schlendern.
Für den Bekanntheitsgrad von Lhasa waren nur sehr wenige Ausländer zu sehen.
Fahrzeuge mit einem ausländischen Kennzeichen sah ich in China während der gesamten Reise kein Einziges.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Hans2 » Mi 18. Sep 2019, 19:14

Die letzten Wochen hatten bei uns allen Spuren hinterlassen.

Trotz immer guten Essens hatte jeder von uns etwas an Gewicht verloren.
Besonders die Strecken in Kirgisien und im Tibetischen Hochland gingen an die Substanz.

Die langen offroad Etappen, die Kälte, die dünne Luft und die schlechten Unterkünfte steckten jedem in den Knochen.
Unsere Truppe hatte sich in Folge der gegebenen Umstände immer besser „zusammen gerauft“.
Da wurde schon einmal trockene und saubere Unterwäsche oder Regenkleidung verliehen, damit keiner den Kältetod starb.

Wir hatten einen Aufenthalt von drei Nächten in Lhasa.
Die Ruhephase war dringend nötig um die Motorräder der Teilnehmer die von Lhasa zurückflogen versandfertig zu machen und bei den sechs Teilnehmern der Verlängerungswoche das Sitzfleisch einer längeren Entlastungszeit bedarf.
Endlich konnte einmal in einer Bar ein zweites Bier getrunken werden, natürlich in einer Stehbar, weil man am nächsten Tag nicht fahren musste. :bier:

Man spürte, dass jeder Einzelne von uns in einer emotionalen Zwickmühle war.
Diejenigen, die von Lhasa abreisten waren am hadern, ob die Entscheidung die Verlängerungswoche nicht zu buchen die richtige war.
Uns, die wir weiterfahren würden, trieben Zweifel um, ob unsere Entscheidung richtig war, weil wir zwischenzeitlich am eigenen Körper erfahren hatten, dass die Regenzeit eingesetzt hatte und einige Straßen in Folge von Erdrutschen gesperrt waren.
Was es bedeutet im Schnee und Regen zu fahren, durften wir ja schon ausgiebig genießen.
Sollte man sich auf angeblich tolle Straßen und Landschaften freuen, wenn man nebenbei absäuft.
Ich hatte es so satt ständig nass zu sein und zu frieren, erinnerte ich mich.

Aber wie sagten die alten Maurer zu mir, wenn mir in der Lehrzeit auf einer Baustelle bei Dauerregen die Kinnlade bis zum Boden hing: „Auch für dich wird die Sonne wieder scheinen!“

Entsprechend dieser Devise genoss ich erst einmal die trockenen Tage mit Temperaturen um 20 Grad C in Lhasa.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » Fr 20. Sep 2019, 07:36

Es tut mir leid, dass ich immer nur sporadisch zum Schreiben komme.
Aber bei mir als Freiberufler türmt sich nach 8 Wochen Abwesenheit die Arbeit.

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Auch wenn uns wie vorhergesagt das Wetter übel mitspielte, liessen wir uns den Spass nicht verderben.
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Zum letzten mal mit der Kanne tanken. Endlich!
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Wie angekündigt war es mit dem Hochland vorbei.
Entlang durch enge Flusstäler ging es immer wieder über tolle Pässe zu den nächsten Schluchten.
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Leider war es sehr nass.
Der Gedanke ein Buch mit dem Titel "Durch die Nebelwälder Tibets" zu schreiben, kam mir in den Sinn.
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Durch die starken Niederschläge mussten wir mehrmals warten bis die Straßen von Felsstürzen geräumt waren.
Zusätzlich hatten wir jetzt nicht mehr nur mit lebensmüden Autofahrern und Yaks zu tun, sondern mussten immer damit rechnen, dass Bäume oder Steine auf der Fahrbahn lagen.
Der bei Nässe sehr glatte Straßenbelag war dabei nicht hilfreich.
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Bei der Abfahrt mussten wir noch die F800 verladen.
Sie wollte partout nicht anspringen.
Später probierten wir die BMW nochmals.
Unter derbem Spucken sprang sie an.
Vermutlich hatte sich Wasser im Tank gebildet und durch die Wacklerei auf dem Hänger wieder vom Benzin getrennt.
Auf alle Fälle lief sie wieder.
Welch ein Glück für den Fahrer.
Die tollen Straßen vom Begleitfahrzeug aus ansehen zu müssen, hätte seinen emotionalen Tod bedeutet.

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Leider hatte unsere "guidine" Tiziana eine unverschuldeten Unfall der für das Motorrad mit einem Totalschaden endete,
für Tiziana aber relativ glimpflich ausging.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » So 22. Sep 2019, 09:19

Nach Shangri-La und an die nicht vorhandene Grenze zwischen Tibet und Yunnan

Das durchwachsene Wetter blieb uns erhalten.
Schade.
Die Landschaften mit den engen Tälern und Schluchten wären bei schönem Wetter noch beeindruckender gewesen.
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Zur Gewohnheit wurde das abendliche Trocknen der Kleidung.
Unmittelbar vor einer Klimaanlage ist das Ergebnis am besten.
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Felsstürze kosteten uns viel Zeit.
Der Straßenbelag war nach den Aufräumarbeiten teilweise nicht mehr vorhanden.
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Entlang des Mekong ging es weiter Richtung Shangri-La,
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bis wir nach einigen Pässen den Yangtze erreichten.

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Die Verkehrsschilder waren wie gewohnt wenig hilfreich.
Dank Navi fanden wir aber immer wieder den richtigen Weg.
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Himalayasalz
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Neben dem Mekong sieht man die Salinen zur Salzgewinnung.
Als einer von uns etwas Salz kaufen wollte,
mischte sich unser Tibeter Tashi ein.
Die Tibeter verwenden das Himalayasalz nur als Lecksteine für Tiere.
Tibeter oder Chinesen würden auf keinen Fall das Salz zum Kochen verwenden oder essen.
Man muss in Deutschland einfach viel genug Werbung machen, dann findet sich bestimmt jemand der dieses Produkt für teuer Geld kauft.

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Auch wenn die Vertreter der Ordnungsmacht allgegenwärtig sind, kam der Spass nicht zu kurz.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » So 22. Sep 2019, 09:38

Alles hat ein Ende

Xinjang und Tibet sind nicht China.
Erst in Yunnan stellte sich durch Vegetation, Landschaft und Menschen das Gefühl ein in China angekommen zu sein.
Reisfelder hatten wir schon ewig nicht mehr gesehen.
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Der Rest unserer Truppe mit Hendrik und Tashi bei der Ankunft in Dali.
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Die Tiger ist für den Rücktransport vorbereitet.
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Rückflug und das war´s.
Noch nicht ganz.
Für mich war die Verlängerungswoche trotz der schlechten Bedingungen ein Highlight Reise.
Erst die Fahrt durch Yunnan machte die ganze Reise vollkommen.
Wäre ich wie die Hälfte unserer Gruppe aus Lhasa abgereist, hätte ich das Gefühl nie in China angekommen zu sein.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Kuzel » So 22. Sep 2019, 09:56

Hallo Hans

Tausend Dank für den Bericht über diese aussergewöhnliche Reise.

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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » So 22. Sep 2019, 14:33

Der Reiseveranstalter

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Hendrik, Chef von tibetmoto, wohnhaft in Dali, China

Hendrik fuhr auf dem Motorrad, BMW F 800 GS von München bis nach Russland.
In Russland musste er wegen familiären Gründen nach Hause fliegen.
Das hatte er uns allen schon am Anfang der Reise gesagt und es war auch kein Problem.
Hendrik machte eine sehr gute Arbeit.
Er machte immer klare Ansagen, was wo wie läuft, vor allem an den vielen Grenzübergängen.
Er kannte sich in den Regionen gut aus und hatte nie ein Problem damit, wenn wir andere Strecken als im Roadbook fahren wollten.
Die Hotels und Unterkünfte waren sehr gut ausgewählt, immer fußläufig zur den Altstädten oder Sehenswürdigkeiten.
Nach seiner Aussage hatte er in die Zusammenstellung der Tour sehr viel Herzblut investiert, was man ihm im nachhinein wirklich glaubte.
Wir trafen Hendrik später in Dali.

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Tiziana

Tiziana war ab München dabei.
Sie übernahm in Russland das Motorrad von Hendrik.
Zusätzlich agierte sie ab Russland als Übersetzerin für die Teilnehmer, die kein Englisch sprachen.
Am Anfang hatten wir leichte Probleme mit Tiziana, weil sie allen alles recht machen wollte.
Nachdem wir uns geeinigt hatten, dass sie klare Ansagen, ähnlich wie Hendrik machen muss, damit sie unseren "Kindergarten" beisammen hält,
waren alle Probleme beseitigt.
Tiziana fährt sehr gut Motorrad, vor allem im Gelände.
Sie fuhr die selben Strecken wie wir ohne auch nur ein einziges mal zu jammern oder sich irgendwelche Müdigkeitserscheinungen anmerken zu lassen.
Nach ihrem Unfall hielt sie es nur zwei Tage im Begleitfahrzeug aus, dann fuhr sie bei einem Teilnehmer wieder hinten auf dem Motorrad mit.
Tiziana ist eine äußerst nette, zuvorkommende und hilfsbereite Frau, der wir als Männer nur schwerlich das Wasser reichen konnten.

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Tashi

Hendrik hat Tashi`s Schwester geheiratet.
Tashi ist durch und durch Tibeter.
Tashi fuhr das Begleitfahrzeug ab München und in China.
Wenn es sein musste natürlich auch ein Motorrad.

Leider durfte er in Kirgisien nicht einreisen, weil er kein Visum bekam.

In der Region Yunnan hatte er die Zulassung als unser offizieller guide.
Er kümmerte sich praktisch um alles in China.
Tiziana war die Übersetzerin.
Ich habe selten so einen netten Burschen kennengelernt.
Morgens mit einem Lächeln alles in die Wege leiten.
Bei Problemen immer Gewehr bei Fuss.

Ich verbrachte viel Zeit mit Tashi, weil ich sehr oft als Übersetzter fungierte.
Bei Fragen der nicht Englisch sprechenden Teilnehmer kamen sie zu mir, damit ich es Tashi sagte.
Der Umweg über Tiziana war nicht erforderlich.
Somit hatten wir automatisch viel miteinander zu tun.
Waren es Besorgungen oder Auswahl des Lokals fürs Abendessen oder Terminabstimmung für Besichtigungen.
Irgendetwas war immer.
Bitte dies nicht als Vorwurf verstehen.
Es hatte sich einfach so ergeben und funktionierte prächtig.
Nach den sieben Wochen waren Tashi und ich zu richtigen Freunden geworden.

Ahmet.jpg


Ahmet

Ahmet war ab München bis zur Grenze Kirgisien - China als Mechaniker dabei.
Zusätzlich fuhr er in Kirgisen das Begleitfahrzeug.
Ahmet, als Türke aus Istanbul, wurde kein Visum für China erteilt.
Er verließ uns an der chinesischen Grenze.
Ahmet war ein toller Kerl.
Immer für jeden Spass zu haben.
Er organisierte z.B. auch bei Bedarf etwas Wodka um Frostbeulen vorzubeugen.
In Bezug auf die Motorräder ein Improvisationstalent.
Er brachte alles wieder irgendwie in Form oder zum Laufen.

Mech-China.jpg


Und jetzt habe ich den Namen vergessen.
Unser Mechaniker der in China Ahmet ersetzte.

Er hatte zwar nicht viel zu tun,
aber wenn es sein musste entledigte er sich auch seiner Beinkleider um zu helfen.
Leider sprach er kein Englisch und hatte dadurch wenig direkten Kontakt mit uns.

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Als Begleitfahrzeug dient ein Ford Transit Diesel.
Im Begleitfahrzeug war ein zusammenklappbarer Anhänger für ein Motorrad untergebracht, den wir auch brauchten.

Türkei, Russland, Kasachstan, Usbekistan, China

In diesen Ländern hatten wir zusätzlich einheimische Führer.
Für uns war es hilfreich, weil uns alle Sehenswürdigkeiten vor Ort gezeigt und erklärt wurden.
Für die Reiseleitung waren die Führer unerlässlich.
Wie sollte die Reise weitergehen, wenn noch einer der Teilnehmer genäht werden musste oder z.B. eine verbogene Felge zu reparieren war.

Die Teilnehmer

Ein Teilnehmer war 35 Jahre.
Der älteste Teilnehmer war 65 Jahre.
Der Rest war zwischen 50 und 61 Jahre alt.

Abklatscher, Dauergrinser, Poser, mit Weisheit Gesegnete und selbsternannte Helden

Die Bezeichnung "Kindergarten" traf komplett zu.

Heldentaten von "unüberlebbaren" Motorradabenteuern wurden vorgetragen.
Drehmomentorgien hatten manche erlebt, dass man sich verwundert die Augen rieb, wieso noch ein Fetzen Haut an ihren Körpern war.
Was ich so alles an Geschichten hörte, war schon enorm.

In aller Regel stellte sich bei den ersten verwinkelten Passagen und Schottereinlagen heraus, dass die größten Helden am tiefsten fielen.
Wieder andere machten sich durch ihren überbordenden Intellekt auf Dauer so viele Freunde, dass sich beim Frühstück niemand mehr zu Ihnen setzte.
Die nächsten lebten ihr Ego voll aus und gönnten sich zwischendurch ein Bad oder eine halbstündige Ruhepause in einem schattigen Waldstück, wohl wissend, dass der Rest der Truppe auf sie wartete.
Pünktlich morgens am Motorrad zu sein, war für einige ein richtiges Problem.
Die Pünktlichen mussten es aushalten.

Es waren wenige sehr zuverlässige, rücksichtsvolle und nette Leute dabei, die man auch gerne wieder sehen wird.
Der Großteil der Teilnehmer wird mir nicht fehlen.
Von Gruppenreisen bin ich geheilt.
Dies gilt aber ausschließlich in Bezug auf die Teilnehmer, nicht auf den Reiseveranstalter.

Die Motorräder

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KTM 1190 Adventure
Beim Öffnen des Tankdeckels schießt Benzin aus dem Tank durch die Tanköffnung ca. 2 m in die Höhe.
Dies passierte trotz aller Vorsicht zwei mal.
Das Windschild ist nach diesen Vorfällen komplett blind, wie Milchglas.
Bei Kilometerstand 88000 ist ein Simmering der Vordergabel undicht.
Wird in Kashgar gerichtet, danach keine weiteren Probleme.

KTM 1290 Adventure
Vier mal schießt Benzin aus dem Tank. Windschild = Michglas.
Nach einigen Pisten bricht das Windschild und wird mir Klebestreifen fixiert, aber es ist kaputt.
Von Anfang an spinnt das keyless go System.
Nach einer Reparatur in einer KTM Werkstatt in Istanbul wird es besser, aber macht immer noch Probleme.

Triumph Tiger 800
Beide Tiger überstehen alles ohne größere Blessuren.
Meine XRT war für die Reise nur bedingt geeignet.
Die XC mit dem 21 Zoll Vorderrad und Speichenfelgen war klar die bessere Wahl.

BMW GS
Ob man die GS nun mag oder nicht.
Die Motorräder stecken eine Menge weg.
Bis auf verlorene Schmutzabweiser und lockere Anbauteile hatten die GS keine wirklichen Probleme.

BMW F 800 GS

Beide F 800 GS hatten vor Beginn der Reise über 40000 Kilometer auf dem Tacho.
Während der Reise entledigten sich beide Motorräder mehrer Anbauteile wie Kettenschutz usw.
Hätte Tiziana nicht den Unfall gehabt, wären beide ohne größere Reparaturen in Dali angekommen.

Ducati Multistrada 950

Bis zum Reisende in O`sh völlig problemlos.

Moto Guzzi V85TT

Die V85 hatte zweimal größeren Erdkontakt.
Außer verbogenen Hebeln und verformten Koffern waren nur noch Abschürfungen zu sehen.
Ansonsten funktionierte die V85 tadellos.
Der Reiseveranstalter hatte Bedenken bezüglich der V85.
Der Fahrer wettete um eine Tafel Mandelschokolade mit ihm, dass er in Dali ankommen wird ohne dass der Mechaniker einmal an der V85 schrauben muss.
Der Reiseveranstalter übergab die Tafel Schokolade.

Alle Motorräder wurden nicht geschont.
Wir fuhren immer ausgesprochen zügig.
Enorme Temperaturen, 80 Oktan Sprit und die Höhenlage wurden von allen Motorrädern verkraftet.

Über 4000 m Höhe spürte man deutlich den Leistungsverlust.
Mir kam es vor als ob die Tiger 25 PS weniger leisten würde.
Den anderen Fahrern ging es genauso.

Zusammenfassung

Es war eine tolle Reise.
Keinen einzigen Tag hatte man das Gefühl etwas Falsches zu machen oder den Sinn der Reise anzuzweifeln.
Während der gesamten Zeit fühlte man sich gut aufgehoben.
Kein Gedanke, dass etwas gestohlen werden könnte oder irgendetwas Unvorhersehbares passieren würde.
Die Reiseleitung hatte einen perfekten Mix aus Fahrtagen, Ruhetagen und Sightseeing hinbekommen.

Als ich zurück kam fragte mich meine Frau, was ich ihr den von all gesehenen Orten unbedingt zeigen müsste.
Auch nach langem Überlegen fiel mir nichts ein.

Sowohl die alten Orte der Seidenstraße, der Mount Everest oder Lhasa sind meiner Meinung nach keine Orte und Landschaften, die man unbedingt gesehen haben muss.
Die ganze Reise zusammen war aber ein Erlebnis, dass ich nicht mehr missen möchte.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Luhbo_ » Mo 23. Sep 2019, 19:29

Nö, hab eigentlich die ganze Unternehmung gemeint. Ich glaube, da war jeder Tag sein Geld wert.
Die Gespann Geschichte ist aber auch interessant. Wäre interessant zu wissen, wen ihr da getroffen habt. Das schaut für China ziemlich wild aus. Ich glaube, da nimmt man sich nicht einfach so mal eine Auszeit und fährt mit der Familie auf einem stinkteuren Gespann mal eben durch Tibet und den Himalaya. Der schaut besser ausgestattet aus als ihr alle zusammen.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Hans2 » Mo 23. Sep 2019, 20:09

Ich habe nicht mehr genau im Kopf, was mich der Spass schlussendlich gekostet hat.
Es war ein Betrag zwischen € 15000.— und € 20000.—.
Wenn ich die Dauer der Reise, die guten Hotels, den ganzen Aufwand mit Reiseführern, die Kosten für den chinesischen Führerschein/ Fahrzeugschein, den Rücktransport des Motorrades usw. berücksichtige, finde ich den Preis für angemessen.

In Tibet und Yunnan waren einige chinesische Motorradfahrer unterwegs.
In der Regel mit 250 ccm Maschinen, nicht nur aus chinesischer Produktion sondern auch Japaner.
Eine KTM 1190, eine BMW 310, sowie ca. fünf Boxer GS waren die Ausbeute an europäischen Modellen.
Die relativ häufigen Benelli 500 zähle ich mal nicht zu den Europäern.

Gespann mit der Möglichkeit zum Personentransport war es das einzige das ich in China sah.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Dottore G. » Di 24. Sep 2019, 12:21

Moin Hans,
ein ganz toller Bericht und eine sagehafte
Reise die ihr unternommen habt. :clap:
Gut das du wieder heile zu Hause bist.
Hat Spaß gemacht den Bericht zu lesen.
Danke dafür,ganz klasse.

Gruß, Dieter.
Moto Guzzi 850 T5. Moto Guzzi V11 LM fast orginal. Moto Guzzi V35 C. Simson S63 und Di Blasi R7,dazu Honda Elite 150 nebst Honda Helix CN 250 "ganz erheblich" optimiert.Italjet Tiffany 25
In meine Guzzen kommt nur Super + und Luft ;-) na gut,Öl gibts auch noch.Und in den Endantrieb auch noch Molykote.Auch schöne Dinge können manchmal schmutzig sein.
http://schweger-italotreffen.de
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon hans » Do 26. Sep 2019, 06:58

Moto Guzzi V 85 TT

Der Fahrer der TT machte es mir nicht leicht Informationen zu bekommen.

Er hatte mir gesagt, dass die TT seine Stelvio ersetzt.
Auf meine Frage, welches denn das angenehmere, bessere Motorrad sei, bekam ich als Antwort:
"Das Motorrad mir dem ich gerade fahre ist immer das Beste."

Nach einiger Zeit merkte er aber, dass sein Verhalten und grundsätzlich gegenteilige Meinung bei den Mitfahrern nicht besonders gut ankam.
Schön langsam wurde er gesprächiger.

Bis Bulgarien hatten wir viele Autobahnstücke um öde Landschaften möglichst schnell zu überbrücken.
Ich fuhr meist als Letzter und musste oft bis zu 180 km/h um Anschluss halten zu können.
An den Grenzen hatten wir bei sehr hohen Temperaturen endlose Stopp and Go Phasen.
Die Motoren wurden richtig heiß.
2.JPG

47.5 Grad C zeigte meine Tiger an.
Bei den offroad-Strecken hatte ich gegen die TT keine Chance.
Trotz identischer Reifengröße musste ich viel mehr aufpassen, da die Bodenfreiheit der TT wesentlich größer ist.
Wenn ich daran denke mit welcher Geschwindigkeit wir auch übelste Wellblechpisten fuhren, muss die TT ein gutes Fahrwerk haben.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass die TT die ganze Stecke einwandfrei lief.
Der Ölverbrauch war geringer als bei den anderen luftgekühlten Motoren.
Meiner Meinung nach war die TT für die Reise das optimale Fahrzeug.

Ausreichend Leistung, auch wenn es für die gefahrenen Geschwindigkeiten am untersten Limit war.
Pflegeleichter Kardan.
Langstreckentaugliche Sitzposition.
Weniger Gewicht als die BMW Boxer.

Ich würde mir die TT bedenkenlos kaufen.
Ich glaube beim "Motorrad" 50 000 Kilometer Test wird die TT nicht stärker gefordert als bei unserer Reise
und die schloss die TT perfekt ab.
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon Marcus Busch » Do 26. Sep 2019, 21:05

Dank Dir, Hans für den authentischen und sehr lesenswerten Reisebericht. Ich habe mich immer auf den nächsten Beitrag gefreut. Einzigartig.

Schön, dass Du unversehrt wieder daheim bist!


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Re: Ausflug nach China

Beitragvon uweschlingmann » Sa 28. Sep 2019, 20:17

Hallo Hans
ein sehr autentischer und guter Bericht, habe zwischendrin beim lesen immer wieder an einen Kumpel gedacht, der steht auch auf solche Touren...und was sehe ich auf einem deiner Abschlussbilder....Udo war dabei. Dann werde ich sicher noch mehr von Eurer Reise erfahren.
Toller Bericht
Danke Hans
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Re: Ausflug nach China

Beitragvon -Martin.Glaeser- » Di 1. Okt 2019, 08:51

Danke für den schönen Reisebericht mit den vielen Bildern!
Ein einmaliges Erlebnis mit vielen Eindrücken.... (dazu gleich die Frage : Was macht Dein Sitzfleisch?) ... auch für uns Daheimgebliebenen.

Ich weiss wieviel Mühe und Überwindung es kostet, nach einem anstrengenden Tag noch etwas zu schreiben und Fotos einzustellen. Dafür ein extra Danke.

-M-
"Ohne Leichtsinn ist das ganze Leben keinen Schuß Pulver wert" Theodor Fontane
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